Das Astronomie Netzwerk Weser-Ems (ANWE) und die Deutsche Astrobiologische Gesellschaft (DAbG) haben durch Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung eine Kooperation zur Entwicklung, Förderung und Pflege der Astrobiologie und der damit assoziierten Wissenschaften begonnen. Diese Kooperation ist auch eine sinnvolle Ergänzung zur assoziierten Mitgliedschaft des ANWE im Interdisziplinären Forschungszentrum für Extraterrestrik (IFEX) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, wo auch die Suche nach Leben im Weltraum im Fokus steht.
Im Labor für angewandte Weltraum-Mikrobiologie am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen, welche Mitglied im ANWE ist, wird bereits astrobiologische Forschung betrieben. So wird dort unter anderem untersucht, wie Mikroben unter den marsähnlichen Bedingungen in der Atacama-Wüste (Chile) überleben können. Damit können auch Rückschlüsse für mögliches Leben auf dem Mars gezogen werden. An der Hochschule Emden-Leer, welche ebenfalls Mitglied im ANWE ist, werden neben anderem auch Optiken zur Messung von biologischen Signaturen und chemischen Stoffen in den Atmosphären von Exoplaneten entwickelt.

Die Astrobiologie
Die Astrobiologie ist eine interdisziplinäre Naturwissenschaft. Sie erforscht den Ursprung, die Evolution, die Verbreitung und die Zukunft des Lebens im Weltraum. Sie hat große Schnittmengen mit der Astronomie und Astrophysik, der Gravitationsphysik, den Geowissenschaften, den Raumfahrtwissenschaften, der Weltraumforschung, Physik, Chemie, Biologie und weiteren damit assoziierten Wissenschaften.
Eine der großen Fragen der Menschheit ist, ob sie alleine im Universum ist. Die Wissenschaft geht davon aus, dass dem wahrscheinlich nicht so ist. Seit den 1960er Jahren wird intensiv nach möglichen Signalen von technologisch entwickelten intelligenten Lebensformen gesucht. Mit den Raumsonden Viking 1 und 2 auf dem Mars begann ab 1976 auch die Suche nach einfachen Lebensformen. Spannende Kandidaten für außerirdische Einzeller sind auch die Jupitermonde Europa und Ganymed sowie die Saturnmonde Enceladus und Titan. Hochentwickelte Lebensformen könnten potentiell auf Exoplaneten gefunden werden. Diese Planeten außerhalb unseres Sonnensystems können wir seit 1992 nachweisen. Mittlerweile sind wir zunehmend in der Lage, die Atmosphären von Exoplaneten nach biologischen Signaturen zu untersuchen.
Die Begriffe Exobiologie und Astrobiologie werden weitgehend synonym verwendet und die Unterschiede sind sehr fein. Die Exobiologie beschäftigt sich expliziter mit der Suche nach Leben im Weltraum, widmet sich allerdings auch der Entwicklung und dem Verhalten von irdischem Leben im All. Die Astrobiologie betrachtet auch die Ursprünge des Lebens auf der Erde und im Universum sowie deren Entwicklung und Verhalten auch auf der Erde. Durch die Untersuchung von Lebensformen in extremen Umweltbedingungen auf der Erde (sogenannte Extremophile) können auch mögliche Rückschlüsse für die Entstehung und Entwicklung von Lebensformen außerhalb der Erde gezogen werden. Ein Beispiel hierfür ist die oben beschriebene Untersuchung von Mikroben in der Atacama-Wüste unter marsähnlichen Bedingungen. Mit zunehmender Verbesserung der Messtechnik steigt die Wahrscheinlichkeit, Leben außerhalb der Erde nachzuweisen.

Astronomie-Netzwerk Weser-Ems (ANWE)
Das Astronomie-Netzwerk Weser-Ems (ANWE) ist ein Verbund aus fünf Hochschulen (darunter zwei Universitäten), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, elf astronomischen Vereinigungen und einer astronomischen Stiftung in Bremen und Nordwest-Niedersachsen. Konkret ist das ANWE eine dynamische Infrastruktur, welche Wissenschaft und Forschung, Citizen Science, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, Wissenstransfer in die Gesellschaft sowie ehrenamtlich und hauptberuflich darin Tätige miteinander auf Augenhöhe verbindet und für alle Synergien fördert. Die ANWE-Fachgebiete sind Astronomie, Astrophysik, Gravitationsphysik, Geowissenschaften, Raumfahrt, Weltraumforschung und damit assoziierte Wissenschaften sowie nun auch Astrobiologie. Es hat seinen formellen Sitz an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven.

Deutsche Astrobiologische Gesellschaft (DAbG)
Die Deutsche Astrobiologische Gesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein, der sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert und den wissenschaftlichen Informationsaustausch sowie die Zusammenarbeit seiner Mitglieder fördert – mit dem Ziel, die astrobiologische Forschung in Deutschland voranzutreiben und ihr zu größerer Sichtbarkeit zu verhelfen. Im deutschsprachigen Raum gibt es zahlreiche Universitäten und außeruniversitäre Einrichtungen, an denen astrobiologische Forschung und Lehre betrieben werden. Die Deutsche Astrobiologische Gesellschaft soll als gemeinsames Dach für die dort tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fungieren und die internationale Sichtbarkeit der Astrobiologie in Deutschland steigern.